Session

Digitale Plattformen für soziale Angebote: Herausforderungen, Datenintegration und Kuratierung

11. Juni 2026

Zusammenfassung

1. Projektvorstellungen und Zielgruppen

  • Projekt „mittendrin“:

    • Digitale Pinnwand für Menschen in der zweiten Lebenshälfte in Brandenburg, gefördert durch die Deutsche Fernsehlotterie und Stiftung Deutsches Hilfswerk, getragen von der Akademie Zweite Lebenshälfte.
    • Ziel: Alle Angebote für diese Zielgruppe digital an einer Stelle sichtbar machen, inkl. Freizeit, Pflege, Bildung, ehrenamtliche Initiativen.
    • Niedrigschwelliger Zugang: Einfache Dateneingabe ohne Login, auch für kleine, nicht-digital präsente Anbieter.
    • Multiplikatoren wie Beratungsstellen (z.B. Volkssolidarität, Caritas) nutzen die Plattform zur Beratung und Weitergabe von Angeboten.
    • Plattform ist Open Source und skalierbar, bereits von Potsdam auf ganz Brandenburg ausgeweitet.
  • Plattform für junge Menschen:

    • WhatsApp-basierte Community (ca. 9000 Mitglieder), Zielgruppe 14–30 Jahre sowie Fachkräfte.
    • Fokus auf bundes- und europaweite Bildungs- und Engagementangebote, inklusiv und möglichst kostenfrei/reisekostenerstattet.
    • Community-Management und aktive Recherche, Website im Beta-Stadium mit geplanter Erweiterung (Veranstaltungskalender, Filter, Forms).
    • Multiplikatoren spielen auch hier eine wichtige Rolle.

2. Herausforderungen bei der Datenerfassung und -integration

  • Anbieterseite:

    • Viele Anbieter haben bereits eigene Datenbanken oder Websites, scheuen aber den Mehraufwand, Angebote mehrfach einzupflegen.
    • Kleine, ehrenamtliche Projekte oft nur offline präsent (z.B. Flyer), digitale Erfassung fehlt.
    • Hemmschwellen bei älteren Menschen bezüglich digitaler Nutzung.
  • Technische Hürden:

    • Schnittstellen zu bestehenden Plattformen (z.B. VHS) sind aufwendig zu realisieren, Abstimmungsprozesse langwierig.
    • Daten liegen oft öffentlich vor, aber in unterschiedlichen Formaten und Systemen.
    • Ressourcenmangel im Projektteam für manuelle Datenerfassung.
  • Lösungsansätze:

    • Einsatz von KI zur automatisierten Datenerfassung (z.B. Foto von Flyer → Datenstruktur).
    • Ehrenamtliche als „Clickworker“ zur Datensammlung und -prüfung.
    • Nutzung bestehender Plattformen und Datenfeeds (z.B. ICS-Feeds, föderierte Kalender).

„Wir suchen einfach nach einem Weg, wie wir ganz simpel Daten, die schon da sind, in unsere Datenstruktur bekommen.“
„Kann ich mir natürlich auch selber raussuchen oder kann ich natürlich auch im Internet recherchieren? Alles finde ich nicht.“

3. Moderation, Kuratierung und Qualitätssicherung

  • Notwendigkeit menschlicher Moderation:
    • Automatisierte Aggregation birgt das Risiko irrelevanter oder unseriöser Angebote.
    • Ehrenamtliche können als Filterinstanz agieren, um Qualitätskriterien zu sichern.
    • Beispiele aus der Jugendarbeit: Angebote mit unseriösen Absendern (z.B. Gmail-Adressen) werden ausgeschlossen.

„Für die Moderation braucht es irgendwo immer noch die Menschen dazwischen, damit ihr nicht einfach alles habt und gerade ältere Leute dann quasi überschwemmt mit Sachen, die vielleicht gar nicht relevant sind.“

  • Kuratierungsprozesse:
    • Approval-Pipeline für eingehende Angebote, ggf. mit grafischer Oberfläche (z.B. Tinder-artiges Swipen).
    • Kriterien: Inklusivität, Seriosität, Zugänglichkeit, Reisekostenerstattung.

4. Technische Lösungsansätze und Standards

  • Offene Standards und föderierte Kalender:
    • Verweis auf das „Krefelder Modell“ als Beispiel für föderierte Kalender und offene Datenstandards.
    • Nutzung von ICS-Feeds zur Aggregation von Veranstaltungsdaten.
    • Wunsch nach APIs von großen Anbietern (z.B. VHS, Caritas), um Daten maschinenlesbar zu machen.

„Es braucht einen Standard, der sich durchsetzt.“
„Viele Websites haben auch jetzt schon ICS-Feeds.“

  • Integration und Skalierbarkeit:
    • Plattformen sollten APIs bereitstellen, um Daten offen und maschinenlesbar zugänglich zu machen.
    • Open Source-Ansatz ermöglicht Übertragbarkeit auf andere Regionen/Bundesländer.

5. Reichweite, Marketing und Community-Management

  • Reichweitensteigerung:
    • Einfluss von Social Media (TikTok, Instagram) auf Nutzerzahlen, insbesondere bei jungen Zielgruppen.
    • Klassische Medien (RBB, Tagesspiegel, ZDF, ARD) als Kanäle für die zweite Lebenshälfte.
    • Empfehlungen für gezielte Pressearbeit und Teilnahme an relevanten Formaten.

„Dann kamen tatsächlich genau aus der Zielgruppe, die ihr habt, Leute auf uns aktiv zu und haben gesagt, hey, das ist total spannend, wie kann ich da mitmachen?“

  • Community-Management:
    • Aktive Ansprache von Anbietern und Nutzern, Nutzung von Newslettern und Netzwerken (z.B. Netzwerk Stiftung Bildung).
    • Herausforderungen: Viele Angebote bleiben unentdeckt, da sie nicht aktiv gemeldet werden.

6. Fördermöglichkeiten, Netzwerke und Veranstaltungen

  • Förderprogramme:

    • Stiftung Digitale Chancen, Ministerium für Digitales, DSEE (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt) als Ansprechpartner.
    • Förderungen für Ehrenamtliche (z.B. Aufwandsentschädigungen nach Schulungen).
  • Netzwerke und Austausch:

    • Empfehlung, sich mit Netzwerk Stiftung Bildung, Caritas Berlin, Civic Data Lab und weiteren zu vernetzen.
    • Veranstaltungshinweis: DSEE-Event am 18./19. Juni in Berlin.

„Die haben einen Newsletter, der von EntscheiderInnen bei allen möglichen NGOs gelesen wird.“

7. Abschließende Überlegungen und Ausblick

  • Skalierung und Open Source:

    • Plattform „mittendrin“ ist offen für bundesweite und generationenübergreifende Nutzung.
    • Bereits Kontakte zu grenzüberschreitenden Projekten (Deutschland-Polen).
  • Zukunftsperspektiven:

    • Weiterentwicklung von Standards und Schnittstellen als Schlüssel zur nachhaltigen Integration.
    • Offenheit für Kooperationen, technische Beratung (z.B. Civic Data Lab) und neue Ansätze.

„Ich fände es eigentlich gut, wenn wir zum Beispiel mittendrin nicht nur in Brandenburg hängen, sondern im Bundesland.“
„Vielleicht gleich junge Menschen, die gleich auch aus Hamburg sind, vielleicht auch aus Deutschland.“


Zentrale Erkenntnisse und nächste Schritte:

  • Es besteht ein hoher Bedarf an technischen Standards, offenen Schnittstellen und automatisierten, aber qualitätsgesicherten Datenpipelines.
  • Menschliche Moderation bleibt essenziell, um Relevanz und Qualität der Angebote zu sichern.
  • Förderprogramme und Netzwerke bieten Unterstützung bei Ressourcen- und Reichweitenproblemen.
  • Die Plattformen sind offen für Kooperationen, technische Weiterentwicklung und überregionale Skalierung.

Offene Punkte / nicht genannt:

  • Konkrete Fälligkeitsdaten für nächste Schritte: (nicht genannt)
  • Verantwortlichkeiten für Umsetzung technischer Lösungen: (nicht genannt)
  • Zeitplan für geplante Erweiterungen: (nicht genannt)